Wer nach Microsoft 365 Alternativen im Test sucht, findet vor allem Meinungen. Seit Anfang September liegt etwas Handfesteres vor. Die c’t, Europas grösstes IT-Magazin, hat in Heft 19/2026 fünf europäische Bürosuiten nebeneinander betrieben und den Titelschwerpunkt danach benannt: «Office, aber souverän!» Das Fazit der Redaktion passt in einen Satz — «Niemand ist Microsoft 365 oder Google Workspace alternativlos ausgeliefert.» Für Ihr Unternehmen ist vor allem interessant, wer in diesem Vergleich am weitesten kommt und wo die Daten dabei liegen.
Warum die Frage überhaupt auf dem Tisch liegt
Rechtlich ändert ein Rechenzentrum in Frankfurt, Dublin oder Zürich nichts daran, dass Microsoft und Google US-Unternehmen bleiben und dem Cloud Act unterstehen. Das ist bekannt. Interessanter sind die beiden anderen Punkte, die die c’t aufmacht.
Der eine ist wirtschaftlich. Je mehr Funktionen aus einer Hand kommen, desto teurer wird das Weggehen — das Magazin nennt es Vendor-Lock-in, und wer schon einmal 400 Postfächer samt Kalenderfreigaben und Berechtigungen umgezogen hat, weiss, was gemeint ist. Der andere ist strategisch und hat sich in den vergangenen Monaten zugespitzt: Was passiert, wenn ein US-Präsident per Dekret entscheidet, dass ein Anbieter in Europa nicht mehr liefern darf?
Wie ungleich die Kräfte verteilt sind, zeigt eine Untersuchung für das Europäische Parlament von Ende 2025. Amazon, Microsoft und Google halten zusammen rund zwei Drittel des europäischen Marktes für Cloudinfrastruktur. SAP, der grösste europäische Anbieter, kommt auf zwei Prozent. Warum das keine IT-Frage ist, sondern eine der Geschäftsleitung, habe ich an anderer Stelle ausgeführt.
Microsoft 365 Alternativen im Test: die fünf Kandidaten
Geprüft wurden fünf fertig gehostete Arbeitsplätze mit demselben Versprechen: E-Mail, Cloudspeicher, Dokumente, Videokonferenz, Kalender und Kontakte aus einer Hand, betrieben in Europa. Die Unterschiede stecken in den Details.
| Lösung | Sitz | Serverstandort | Dokumente | Preis ab |
|---|---|---|---|---|
| Infomaniak kSuite | Genf | Schweiz | OnlyOffice; Word, Excel, PowerPoint möglich | 1.58 € / Monat |
| mailbox | Berlin | Deutschland | OX App Suite | 4 € / Monat |
| Ionos Nextcloud Workspace | Montabaur | Deutschland | Collabora | 9 € / Monat |
| Proton Workspace | Genf | Europa | Eigenentwicklung | 15 € / Monat |
| Souvera Workspace | Frankfurt am Main | Deutschland | Collabora | 8 € / Monat |
Eigene Zusammenstellung nach den Angaben der c’t 19/2026, Seite 22. Preise pro Nutzer und Monat bei monatlicher Abrechnung.
Warum Infomaniak am weitesten kommt
Im Fazit steht ein Satz, der in einem Beratungsgespräch mehr wiegt als jede Hochglanzbroschüre: «Infomaniak kommt dem Komplettpaket recht nahe.» Geschrieben hat ihn nicht der Anbieter und nicht sein Partner, sondern eine Redaktion, die alle fünf Lösungen im Alltag betrieben hat.
Der einzige Schweizer Serverstandort im Feld
Vier der fünf Dienste hosten in Deutschland oder verteilt in Europa. Einer in der Schweiz. Für eine Kanzlei mit Berufsgeheimnis, eine Praxis mit Patientendaten oder ein Treuhandbüro mit Mandantenbuchhaltung ist das kein Nebenkriterium.
Ob Sie in Zürich, Stuttgart oder Linz sitzen, macht dabei weniger Unterschied, als man denkt. Die Schweiz steht ausserhalb der EU und hat mit dem revidierten Datenschutzgesetz ein eigenständiges Regime, das die EU-Kommission als angemessen anerkennt — Daten dürfen also fliessen, unterliegen aber nicht demselben Zugriffsrahmen wie innerhalb der Union. Für deutsche und österreichische Kunden ist das ein zweites Standbein, kein Umweg.
Word, Excel und PowerPoint laufen weiter
Hier kippen die meisten Gespräche, und meist wegen eines Missverständnisses. Standardmässig arbeitet die kSuite mit OnlyOffice, das die gängigen Dateiformate beherrscht. Wer bei den vertrauten Programmen bleiben will, kann das aber: Word, Excel und PowerPoint lassen sich in der kSuite weiter nutzen, weil Infomaniak diese Anwendungen in den eigenen Schweizer Rechenzentren betreibt. Die Dokumente verlassen die Infomaniak-Umgebung nicht und werden nicht an Microsoft übertragen. In der Dokumentation des Anbieters steht es so: Die Integration garantiere, dass Dokumente «niemals die souveräne Umgebung von Infomaniak verlassen und niemals an Microsoft übertragen werden».
Die Oberfläche, die Ihre Leute seit zwanzig Jahren kennen, bleibt also. Was wechselt, ist die Kontrolle über die Daten. Deshalb ist so ein Wechsel im Alltag unspektakulärer, als er auf dem Papier klingt — wie er abläuft, steht Schritt für Schritt hier.
kMeet statt Teams
In der Vergleichstabelle steht bei Infomaniak unter Videokonferenzen nur «Jitsi». Gemeint ist kMeet. Der Dienst baut auf der quelloffenen Software Jitsi Meet auf und läuft auf Infomaniaks eigener Infrastruktur — also kein Bastelwerk, sondern ein fertiges Produkt auf einem Fundament, über das weltweit Millionen Gespräche laufen. Aufzeichnung, Warteraum und Einwahl ohne Konto für Ihre Gäste inklusive.
Ein kostenloser Einstieg, den sonst niemand bietet
Infomaniak ist im Testfeld der einzige Anbieter mit dauerhaft kostenlosen Basisversionen. Die Abos starten bei 1.90 Euro im Monat für Privatpersonen und 1.58 Euro pro Nutzer und Monat für Unternehmen. Proton beginnt bei 15 Euro, Ionos bei 9. Sie können die Suite also ausprobieren, bevor Sie irgendetwas unterschreiben, und genau dazu rate ich vor jeder Migration.
Wo die c’t kritisch bleibt
Ein Testbericht, den man nur zur Hälfte zitiert, ist eine Broschüre. Also auch die andere Hälfte.
Die Redaktion stört sich an der Manager-Ansicht des Infomaniak-Kontos. Wer dort hineingerät, steht plötzlich zwischen Domains, Hosting und Streaming und sucht den Weg zurück. Der Einwand stimmt für alle, die sich selbst einrichten. In einem begleiteten Projekt bekommen Ihre Mitarbeitenden diese Ansicht im Alltag gar nie zu sehen.
Dann die Tabellenzeile «Software-Stack Open Source»: Bei Infomaniak steht dort ein Strich, bei Ionos, Proton und Souvera ein Häkchen. Dazu gehört die Einordnung. Die Kernkomponenten sind offen, OnlyOffice für Dokumente und Jitsi Meet als Basis von kMeet. Vor allem aber entscheidet sich Souveränität an der Rechtsordnung, am Serverstandort, an offenen Dateiformaten und daran, ob Sie Ihre Daten jederzeit vollständig mitnehmen können. Nicht am Lizenzmodell des Gesamtpakets.
Und Proton verschlüsselt konsequenter Ende zu Ende als alle anderen im Feld. Wer das als absolutes Muss setzt, ist dort besser aufgehoben. Das sage ich als Infomaniak-Partner ohne Bauchschmerzen — eine ehrliche Empfehlung ist mir mehr wert als ein Auftrag beim falschen Kunden.
Was das für Ihr Unternehmen bedeutet
Vor zwei Jahren musste man noch erklären, dass es überhaupt ernsthafte Alternativen gibt. Inzwischen steht in einem Fachmagazin mit sechsstelliger Auflage, dass der Markt ausgereift ist und ein Wechsel ohne Komfortverlust funktioniert. Bleibt die Frage nach dem Zeitpunkt. Die beantwortet sich meistens von selbst — wenn die nächste Preiserhöhung ins Haus steht oder ein Mandant wissen will, wo seine Unterlagen eigentlich liegen.
Einen europäischen Microsoft-Klon werden Sie nicht finden, und die c’t warnt zu Recht davor, einen Vendor-Lock-in bloss durch den nächsten zu ersetzen. Die Prüffragen dafür sind nüchtern. Welchem Recht untersteht der Anbieter? Wo stehen die Server? Sind die Dateiformate offen? Kommen Sie jederzeit vollständig an Ihre Daten? Wer den Weg dorthin in Etappen sehen möchte: Das habe ich in der Vorbereitung einer Cloud-Migration beschrieben.
Häufige Fragen
Welche Anbieter hat die c’t geprüft?
Fünf fertig gehostete europäische Arbeitsplätze: Infomaniak kSuite, mailbox, Ionos Nextcloud Workspace, Proton Workspace und Souvera Workspace. Nachzulesen in c’t 19/2026, Seiten 16 bis 23.
Kann ich Word, Excel und PowerPoint weiter benutzen?
Ja. Infomaniak betreibt diese Anwendungen in den eigenen Schweizer Rechenzentren, die Dokumente verlassen die Infomaniak-Umgebung nicht und werden nicht an Microsoft übertragen. Für die integrierte Online-Bearbeitung brauchen Sie eine bestehende Microsoft-365-Lizenz. Wer die Programme lokal auf dem eigenen Gerät nutzt und die Dateien über kDrive synchronisiert, braucht sie nicht. Standardmässig kommt OnlyOffice zum Einsatz, das ohne Microsoft-Lizenz auskommt.
Wo stehen die Server der kSuite?
In der Schweiz. Im Testfeld der c’t ist Infomaniak der einzige Anbieter mit Schweizer Serverstandort; die übrigen hosten in Deutschland oder verteilt in Europa.
Ist kMeet dasselbe wie Jitsi?
kMeet ist Infomaniaks Videokonferenzdienst und baut auf der quelloffenen Software Jitsi Meet auf, betrieben auf eigener Infrastruktur. In der Vergleichstabelle der c’t erscheint deshalb die Basistechnologie «Jitsi» statt des Produktnamens.
Was kostet die kSuite im Vergleich?
Ab 1.58 Euro pro Nutzer und Monat für Unternehmen, ab 1.90 Euro für Privatpersonen, dazu dauerhaft kostenlose Basisversionen. Die übrigen geprüften Lösungen starten zwischen 4 und 15 Euro pro Nutzer und Monat.
Quelle: Holger Bleich und Greta Friedrich, «Office, aber souverän! — Wie digitale Arbeitsplätze ohne US-Abhängigkeiten funktionieren», c’t magazin für computertechnik 19/2026, Seiten 16–23. Zitate mit Quellenangabe; Einordnung und Bewertungen in diesem Beitrag stammen von Office2SwissCloud. Beitragsbild: eigene Darstellung.
Sie möchten wissen, was ein Wechsel für Ihren Betrieb konkret bedeutet? In einem kurzen Erstgespräch sehen wir uns Ihre heutige Umgebung an und klären, welche Teile sich überhaupt zu bewegen lohnen.





