«Ethisch» steht heute auf vielen Cloud-Angeboten. Nachprüfen lässt sich das Wort trotzdem, an vier nüchternen Fragen: Wem gehört der Anbieter? Welchem Recht untersteht er? Was macht er mit Ihren Daten? Und woher kommt sein Strom? Eine ethische Cloud Schweiz erkennen Sie nicht am Prospekt, sondern an den Antworten darauf. Ich habe diese vier Fragen gestellt, bevor ich mich als Partner gebunden habe – und bin bei Infomaniak geblieben.
Erstens: Wem gehört der Anbieter?
Eigentum ist keine Nebensache. Es entscheidet, wem ein Unternehmen im Zweifel Rechenschaft schuldet. Ein börsenkotierter Konzern schuldet sie seinen Aktionären, Quartal für Quartal. Infomaniak ist nach eigenen Angaben ein Schweizer Unternehmen, das einem wachsenden Teil seiner Mitarbeitenden gehört, und es ist nicht an der Börse. Das macht einen Anbieter nicht automatisch besser. Es macht ihn aber schwerer verkäuflich – und darum geht es, wenn Sie Ihre Firmendaten für die nächsten zehn Jahre irgendwo hinlegen.
Zweitens: Welchem Recht untersteht er?
Infomaniak untersteht Schweizer Recht, ohne Ausnahmeklauseln, und arbeitet DSGVO-konform. Der Unterschied zu einem US-Anbieter liegt nicht in der Verschlüsselung, sondern in der Gerichtsbarkeit: Ein amerikanischer Mutterkonzern bleibt dem CLOUD Act unterstellt, auch wenn die Server in Zürich stehen. Dazu kommt ein Punkt, der meist untergeht – das Unternehmen baut und betreibt seine Rechenzentren selbst, statt Kapazität bei Dritten zu mieten, und entwickelt die Software intern oder auf anerkannten Open-Source-Technologien. Wer Anbieter vergleicht, sollte die ganze Kette prüfen: Gebäude, Hardware, Software, Recht.
Drittens: Was macht er mit Ihren Daten?
Die Antwort, die Sie hören wollen, ist die langweiligste: nichts. Keine Auswertung für Werbung, kein Training von Modellen, keine Weitergabe. Infomaniak formuliert es so, dass Ihre Daten Ihnen gehören und nur Sie etwas angehen. Halten Sie diesen Satz neben die Nutzungsbedingungen Ihres heutigen Anbieters – der Vergleich ist aufschlussreicher als jede Broschüre. Wie rasch sich solche Bedingungen ändern können, habe ich am Beispiel von Microsofts Flex Routing beschrieben.
Viertens: Woher kommt der Strom?
Hier wird es angenehm konkret, weil sich Zahlen prüfen lassen. Nach Angaben von Infomaniak nutzt das neue Rechenzentrum seine gesamte Abwärme zur Beheizung von bis zu 6000 Wohnungen. Gekühlt wird mit gefilterter Aussenluft, ganz ohne Klimaanlage. Der Betrieb läuft auf zertifiziertem erneuerbarem Strom, eigene Solarkraftwerke sollen mittelfristig so viel erzeugen, wie das Unternehmen verbraucht. Server bleiben bis zu fünfzehn Jahre im Einsatz, Komponenten stammen wo möglich aus europäischer Fertigung. Der CO2-Ausstoss wird gemessen und zu 200 Prozent über myclimate.org ausgeglichen, ein Prozent des Wachstums geht an Naturschutzorganisationen, und die Mitarbeitenden sind bei einer ethischen Vorsorgekasse versichert. Man kann das für Kür halten. Für einen Betrieb, der seine eigene Nachhaltigkeit belegen muss, ist es Pflichtstoff.
Die vier Prüffragen im Überblick
| Prüfpunkt | Worauf Sie achten sollten | Infomaniak (Angaben des Anbieters) |
|---|---|---|
| Eigentum | Börsenkotiert oder in privater Hand? | Schweizer Unternehmen, wachsender Anteil der Mitarbeitenden |
| Recht | Gerichtsbarkeit, Ausnahmeklauseln | Schweizer Recht, DSGVO-konform, kein US CLOUD Act |
| Infrastruktur | Eigene oder gemietete Rechenzentren? | Eigene Rechenzentren in der Schweiz |
| Software | Proprietär oder offen? | Intern entwickelt oder Open Source |
| Daten | Auswertung für Werbung oder KI-Training? | Keine Analyse, Daten bleiben beim Kunden |
| Energie | Herkunft, Abwärme, Kühlung | Zertifizierter Ökostrom, Abwärmenutzung, keine Klimaanlage |
Was das für Ihr KMU bedeutet
Mit einer Cloud kaufen Sie nicht nur Speicherplatz, sondern eine Eigentümerstruktur und eine Rechtsordnung gleich mit. Für eine Kanzlei, eine Arztpraxis oder ein Treuhandbüro ist das kein akademischer Punkt, sondern Teil der Sorgfaltspflicht. Der Wechsel selbst verläuft unspektakulärer, als die meisten befürchten: E-Mails, Kalender und Dateien wandern in der Regel in fünf Schritten und ohne Betriebsunterbruch. Was das kostet, rechne ich Ihnen unter Kosten und ROI vor.
Häufige Fragen zur ethischen Cloud
Was macht eine Cloud «ethisch»?
Vier Dinge lassen sich prüfen: die Eigentümerstruktur des Anbieters, das anwendbare Recht, der Umgang mit Kundendaten und die Energiebilanz. Fehlt zu einem dieser Punkte eine klare Auskunft, ist das bereits die Antwort.
Ist eine ethische Cloud Schweiz teurer als Microsoft 365?
In der Regel nicht. Für ein KMU mit fünf bis zwanzig Personen liegen die laufenden Kosten meist unter einem vergleichbaren Microsoft-Paket, weil Speicher, Office, Videokonferenz und Chat im selben Abonnement enthalten sind.
Reicht ein Serverstandort in der Schweiz nicht aus?
Nein, der Standort allein sagt wenig. Entscheidend ist, welchem Recht die Muttergesellschaft untersteht. Ein US-Konzern bleibt dem CLOUD Act unterstellt, auch wenn die Festplatte in Genf liegt.
Woher weiss ich, ob die Nachhaltigkeitsangaben stimmen?
Fragen Sie nach Belegen statt nach Bekenntnissen: Zertifikate für den Strombezug, Angaben zur Abwärmenutzung, die Lebensdauer der Hardware, die Methode der CO2-Kompensation. Wer das nicht auf Anhieb liefert, hat es nicht gemessen.
Eines noch, damit Sie es einordnen können: Ich bin zertifizierter Infomaniak-Partner. Die längere Fassung dazu steht auf der Seite Office2SwissCloud und Infomaniak. Wenn Sie die vier Fragen lieber an Ihrem eigenen Setup durchgehen möchten, nehmen Sie sich zwanzig Minuten – ein unverbindliches Erstgespräch genügt dafür.





