Infomaniak Börsengang, Angriff auf den Bund, Patchday-Rekord — Swiss Cloud Kompass vom 6. August 2026

Der Infomaniak Börsengang ist diese Woche in der Schweizer Fachpresse angekommen — und damit bei Ihren Kunden. Dazu ein Angriff auf die Sharepoint-Server des Bundes und ein Rekord beim Microsoft-Patchday. Drei Meldungen, die zusammengehören, auch wenn sie es auf den ersten Blick nicht tun. Im Video reisse ich sie an, hier steht die ganze Geschichte — mit den Links auf alle Originalquellen.

Infomaniak Börsengang: Kotierung ja, Übernahme nein

Am 29. Juli hat Infomaniak angekündigt, an die SIX Swiss Exchange zu gehen. Nicht über einen klassischen Börsengang, sondern über die Perrot Duval Holding, eine Beteiligungsgesellschaft, die dort seit 1905 kotiert ist. Perrot Duval trennt sich von den Industrieaktivitäten und dient als Kotierungsvehikel; die Gesellschaft würde in Infomaniak SA umbenannt. Entschieden wird an der Generalversammlung vom 24. September 2026, danach müssen die Börsenbehörden zustimmen. Eine Woche später hat die Netzwoche nachgezogen — Ihre Kunden lesen die Meldung jetzt also nicht mehr nur im Anbieter-Blog.

KennzahlWert
Umsatz 202554,2 Mio. Franken (2024: 47,6 Mio.)
Mitarbeitendeüber 300
Zahlende Kundenrund 300 000
EntscheidGeneralversammlung Perrot Duval, 24.09.2026
Verwendung der Mittelneue Rechenzentren in der Schweiz

Interessant ist nicht die Finanznachricht, sondern die Konstruktion dahinter. Ein Börsengang klingt zunächst nach Kontrollverlust — hier ist er umgekehrt gebaut. Gehandelt werden ausschliesslich B-Aktien. Die A-Aktien mit den bevorzugten Stimmrechten bleiben bei der Stiftung Infomaniak, sind nicht handelbar und sichern ihr die Stimmenmehrheit. Damit bleibt auch die Aktionärscharta abgesichert, die Unabhängigkeit, digitale Souveränität, Privatsphäre und ökologische Verantwortung festschreibt. Wer hier Aktien kauft, verdient am wirtschaftlichen Erfolg mit. Übernehmen kann er das Unternehmen nicht.

Für Kunden ändert sich nach Angaben des Unternehmens nichts: gleiche Dienste, gleiche Preispolitik, gleiche Verträge, gleicher Datenstandort, gleiche Teams.

Meine Einordnung: Halten Sie das einmal neben die Eigentümerstruktur der amerikanischen Anbieter, deren Dienste Sie täglich benutzen. Dort entscheidet der Kapitalmarkt, wohin die Reise geht. Hier entscheidet eine gemeinnützige Stiftung, die an eine notariell beglaubigte Charta gebunden ist — und die diese Grundsätze verschärfen darf, aber nicht abschwächen. Man kann das für Symbolik halten. Ich halte es für den Unterschied zwischen einem Versprechen und einer Statutenbestimmung.

Quellen: Infomaniak, 29.07.2026 · cash.ch, 29.07.2026 · Netzwoche, 04.08.2026

Der Angriff auf die Sharepoint-Server des Bundes

Am 28. Juli hat das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation einen Angriff auf seine Sharepoint-Server entdeckt. Das BIT hat den Internetzugriff auf die Server blockiert und die Lücken geschlossen. Kompromittiert wurden Zugangsdaten zu rund zweihundert Benutzer- und technischen Konten. Für einen weiteren Datenabfluss gibt es bislang keine Anzeichen. Die betroffenen Server werden neu aufgesetzt, für bundesexterne Personen bleibt der Zugriff vorerst gesperrt.

Das BIT geht davon aus, dass die Angreifer jene Sharepoint-Schwachstellen ausgenutzt haben, die Microsoft Mitte Juli offengelegt hatte. Es sind dieselben, die im Juli-Patchday standen.

Genau das macht den Vorfall interessant. Der Bogen ist vollständig: Die Lücke war bekannt. Der Patch war verfügbar. Der Angriff gelang trotzdem — und zwar bei einer Behörde mit einer eigenen, professionell besetzten IT-Organisation. Wenn dort die Zeitspanne zwischen Offenlegung und Einspielen ausreicht, um angegriffen zu werden, dann lohnt die ehrliche Frage, wie lang diese Zeitspanne in einem Betrieb mit zwölf Arbeitsplätzen und ohne eigene IT ist.

Das ist kein Argument gegen Microsoft. Es ist ein Argument dafür, sich anzuschauen, wie gross die Fläche ist, die man selbst pflegen muss. Wer diese Frage systematisch angehen will, findet die Grundlagen unter Sicherheitsrisiken Microsoft 365 Schweiz.

Quelle: Netzwoche / Swisscybersecurity.net, 05.08.2026

Rekord beim Juli-Patchday: 622 geschlossene Lücken

Am Juli-Patchday hat Microsoft 622 Sicherheitslücken geschlossen. Das ist ein Rekord. 56 davon gelten als kritisch, 416 betreffen Windows, 82 Office. Von Januar bis Juli waren es rund 1380 Lücken — fast doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Zwei wurden zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits aktiv angegriffen: CVE-2026-56155 in den Active Directory Federation Services und CVE-2026-56164 in SharePoint. Die zweite ist jene, die eine knappe Woche später beim Bund zum Tragen kam.

Die ehrliche Lesart gehört dazu, denn die blosse Zahl führt in die Irre. Ein Teil des Anstiegs kommt daher, dass Microsoft inzwischen eigene KI-Werkzeuge einsetzt, die Schwachstellen finden, die früher unentdeckt geblieben wären. Gefundene Lücken sind besser als unentdeckte. Insofern ist die Zahl auch eine gute Nachricht.

Nur ändert das nichts an dem, was bei Ihnen ankommt. Jemand muss diese Aktualisierungen einspielen, testen und dokumentieren. Wer eine IT-Abteilung hat, verteilt das auf Schultern. Wer keine hat, macht es selbst oder gar nicht. Mein Punkt ist deshalb nicht, dass Microsoft unsicher wäre. Mein Punkt ist: Diese Wartungslast tragen Sie mit, ob Sie wollen oder nicht — und sie wächst.

Quelle: TTG GmbH nach heise Security, 16.07.2026

Ausserdem in diesen zwei Wochen

Microsofts KI gegen Microsofts Lücken

Microsoft hat ein KI-Modell namens MAI-Cyber-1-Flash vorgestellt, integriert in die hauseigene Plattform MDASH; es soll rund neunzig Prozent der Sicherheitsaufgaben übernehmen. Lesenswert ist die Begründung: Microsoft lanciert es ausdrücklich deshalb, weil Angreifer selbst KI einsetzen, um Codebasen nach ausnutzbaren Lücken zu durchsuchen. Das Wettrüsten läuft auf beiden Seiten mit denselben Werkzeugen — und ein KMU sitzt ungefragt mit im Boot. (Netzwoche, 04.08.2026)

Souveränität heisst nicht Autarkie

Matthias Stürmer von der Berner Fachhochschule beschreibt digitale Souveränität als Punkt zwischen zwei Extremen: Fremdbestimmung, wo Kunden bei proprietärer Technologie nur eine Nutzungserlaubnis haben, und Autarkie, die schlicht Wohlstandsverlust wäre. Der Mittelweg sind offene Standards und Open-Source-Komponenten — man kauft weiterhin ein, bleibt aber wechselfähig. Daniel Markwalder, Bundesratsdelegierter für digitale Transformation, sagt dasselbe aus der Verwaltungssicht: «Reduktion von Abhängigkeiten wird zunehmend als Beschaffungskriterium etabliert.» Über 160 Schweizer Organisationen gehören inzwischen dem Netzwerk «Souveräne Digitale Schweiz» an. Was das für einen Betrieb konkret heisst, steht unter digitale Souveränität für KMU. (Netzwoche, 30.07.2026 · Netzwoche, 27.07.2026)

Warum Cloud-Rechnungen im KI-Zeitalter aus dem Ruder laufen

Zwei Wochen hintereinander standen die Cloud-Kosten auf der Agenda der Schweizer IT-Presse. Der Mechanismus ist einfach und deshalb wirksam: Lizenzen sind planbar, KI-Dienste werden nach Verbrauch abgerechnet. Wer sie nutzt, erzeugt Kosten, die niemand vorher beziffert hat — und die niemand bemerkt, solange keiner hinschaut. Ich sage nicht, dass der eine Weg immer günstiger ist. Ich sage, dass der eine vorhersehbar ist und der andere nicht. (Netzwoche / Zühlke, 29.07.2026 · Netzwoche, 20.07.2026)

Was ich daraus mitnehme

Diese zwei Wochen zeigen dieselbe Sache aus drei Richtungen. Ein Schweizer Anbieter baut sich eine Eigentümerstruktur, die ihn unverkäuflich macht. Eine Bundesbehörde mit eigener IT wird über eine bekannte Lücke angegriffen. Und die Fachwelt einigt sich darauf, dass Souveränität nicht Autarkie heisst, sondern Wechselfähigkeit.

Der gemeinsame Nenner ist nicht Angst. Er ist eine nüchterne Frage: Wie viel von dem, was Ihr Betrieb täglich braucht, hängt an Entscheidungen, die Sie nicht beeinflussen können — und wie teuer wäre es, das zu ändern?

Wenn Sie darauf keine Antwort haben, machen wir sie zusammen. Der Cloud-Risiko-Check ist kostenlos und dauert zwanzig Minuten. Danach wissen Sie, wo Sie stehen. Was Sie damit tun, entscheiden Sie.

Häufige Fragen zum Infomaniak Börsengang und zum Angriff auf den Bund

Ändert der Infomaniak Börsengang etwas für bestehende Kunden?

Nach Angaben des Unternehmens nicht: Dienste, Preispolitik, Verträge, Teams und Datenstandort bleiben unverändert. Verändert wird die Kapitalstruktur, nicht das Angebot.

Kann Infomaniak nach der Kotierung übernommen werden?

Nein. An der Börse gehandelt werden nur B-Aktien. Die stimmrechtsstarken A-Aktien hält die Stiftung Infomaniak; sie behält die Stimmenmehrheit und ist an eine notariell beglaubigte Charta gebunden.

Was bedeutet der Angriff auf die Sharepoint-Server des Bundes für ein KMU?

Er zeigt, dass ein verfügbarer Patch nicht genügt, wenn niemand ihn rechtzeitig einspielt. Wer keine eigene IT-Abteilung hat, sollte prüfen, wie viele selbst zu wartende Systeme er tatsächlich betreibt.

Ist Microsoft 365 unsicher?

Das ist die falsche Frage. 622 geschlossene Lücken an einem Patchday bedeuten, dass viel gefunden und behoben wird. Entscheidend ist die Wartungslast, die daraus für Sie entsteht — und ob Sie sie tragen können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen